Ausflug 2015 nach Portugal

... oder mit 100 ROTAX Pferden nach Porto an den Atlantik – geht das?


Nachdem das Team Andreas Kroemer und Armin Hanus 2014 mit Kurs Ost zum Schwarzen Meer geflogen ist, wurde 2015 Gegenkurs West in Richtung Atlantik genommen.

Wie im Vorjahr wurde die Planung der ca. 2000 km langen Strecke in mehrere Abschnitte aufgeteilt. Hierbei war insbesondere die relativ komplexe Luftraumstruktur in Frankreich zu beachten.

 

 

Um Zeitverluste auf der Strecke zu vermeiden, ist es sinnvoll, die Verfügbarkeit von MOGAS oder AVGAS  an den jeweiligen Landeplätzen im Vorfeld zu prüfen  Hilfreich ist hierbei die TOTAL-Karte, die den Piloten Zugriff auf die in Frankreich häufig anzutreffenden Tankautomaten ermöglicht.

Pünktlich an unserem geplanten Abflugtag stellte sich das passende Flugwetter ein, das uns - mit Ausnahme von ein paar kleineren Einschränkungen - auf der Strecke begleiten sollte.

 

 Tag 1: Mainz – Saarlouis – Dijon/Darois – Montelimar – Lezignan – Ampuriabrava (1040 km)

Bei guten Sichten, aber heftigem Westwind, führte der erste Teilabschnitt von Mainz nach Saarlouis. Dort legten wir sicherheitshalber eine kurze Tankpause (UL91) ein und gaben den Flugplan nach Frankreich bei AIS auf. Sofort nach dem Start kontaktierten wir Strasbourg Info, um den Status der militärischen Tieffluggebiete im Grenzbereich zu erfragen. Wie schon bei früheren Flügen in Frankreich waren die Gebiete „not active“ und konnten ohne Probleme passiert werden.

Fragen kostet nichts, erspart Umwege oder extrem niedrige Flughöhen (z.B. < 800ft AGL) bzw. Flughöhen, in denen gerade Wolken ihre Bahnen ziehen.

In Darois (ULs zugelassen) angekommen, konnten wir gleich unsere vor dem Ausflug geübten französischen Blindsendungen absetzen und unsere Absichten kundtun. Nach der Landung schlossen wir als erstes den Flugplan, dann nahmen wir uns die Zeit und statteten den „Flying Legends“ einen kleinen Besuch ab. Spitfire, Seafury und andere Muster aus vergangenen Zeiten werden dort flugfähig gehalten, um bei Flugshows in ganz Europa vorgeführt zu werden.

 

Spitfire der Flying Legends in Dijon/Darois


Vor dem Start zur dritten Tagesetappe wurde noch AVGAS erworben und danach der Kurs auf Montelimar an der Rhone aufgenommen. Dieser Streckenabschnitt ist relativ leicht zu fliegen. Die Kontrollzone von Lyon wird am besten westlich umflogen und militärische Lufträume sind so  ebenfalls leicht zu vermeiden. Worauf man aber unbedingt achten muss, sind die Schutzzonen der Atomkraftwerke. Ein Einflug in diese Bereiche führt unweigerlich zu großen Problemen für  unvorsichtige Piloten.

 

St.Rambert LFLR


Auf dieser Strecke ist terrestrische Navigation relativ einfach. Als Leitlinien auf dem Weg nach Montelimar bieten sich z.B. Autobahnen und die Rhone an. Von früheren UL-Ausflügen war uns Montelimar mit seiner gut gepflegten Grasbahn und hilfsbereiten Fliegerkameraden in guter Erinnerung. Der Platz ist leicht zu finden, er liegt direkt gegenüber von einem gut sichtbaren Atomkraftwerk. Dessen Schutzzone ist so gestaltet, dass der An- und Abflug ohne Einflug in die LF P-12 problemlos möglich ist.

Nach der Landung in Montelimar (ULs zugelassen) waren freundliche Mitglieder des Aeroclubs zur Stelle, die unseren Flieger mit UL91 und die Besatzung mit Getränken versorgten. Nach einem kurzen Aufenthalt ging es schon wieder an den Start, um die Tagesetappe 4 nach Lezignan anzugehen. Auf diesem Streckenabschnitt gilt es wieder, einige militärische Lufträume zu beachten und rechtzeitig mit Marseille Info Kontakt aufzunehmen. Auch diesmal waren alle Tieffluggebiete „not active“ und der Luftraum gehörte uns.

Nach 1:25h war Lezignan (ULs zugelassen) erreicht und wir konnten uns mit  AVGAS versorgen. Den Aufenthalt nutzten wir gleichzeitig dazu, um den vorgeschriebenen Flugplan nach Spanien aufzugeben. Wenn man mit OLIVIA (dem französischen Internet Portal für Flugplanung) keine Verbindung bekommt, dann ist das kein Problem. Man ruft einfach die zuständige AIS Sektion an und erledigt das per Telefon.

Anmerkung: Für den Einflug mit ULs nach Spanien ist eine Einfluggenehmigung der spanischen Luftfahrtbehörde erforderlich (Tel: +34-91-5978702+34-91-5978702 +34-91-5978702+34-91-5978702  Carlos Perez). Weitere Infos hierzu unter http://www.aepal.aero/flying-in-spain/

Die fünfte und letzte Tagesetappe zur spanischen Mittelmeerküste nach Ampuriabrava war das optische Highlight des Tages.

 

Mittelmeerküste bei Port Leucate

 

Nach dem Start  in Lezignan Kurs auf N Perpignan nehmen, von dort entlang der Mittelmeerküste bis zum letzten französischen Meldepunkt SC. Abmelden bei Perpignan Info, anmelden bei Barcelona CTL und weiter bis zum Meldepunkt LLANCA.

Nach Erreichen von LLANCA Frequenzwechsel auf Ampuriabrava (ULs akzeptiert). Der Platz ist ein Zentrum für Fallschirmspringer und hat eine sehr hohe Sprungfrequenz. Es gibt um den Platz herum mehrere LE-D und LE-R Lufträume die man unbedingt beachten muss. Deshalb rechtzeitig Kontakt mit Ampuriabrava RDO herstellen, die Landeinformationen beachten und Ausschau nach anderen Luftsportlern halten.

 

                                        

Im Queranflug Ampuriabrava

 

Den Flugplan nach der Landung zu schließen, erledigen die Profis am Platz als Serviceleistung. Insgesamt sind wir heute etwas mehr als 1000 km Strecke geflogen und nun gilt es, auf Erholung umzuschalten. Ein gutes Hotel ist schnell gefunden (Maritim/Roses), und dank der Vorkenntnisse von Andreas haben wir auch noch das Glück, im besten Restaurant im Umkreis die feinsten Fischspezialitäten genießen zu können. Mit einem langen (Verdauungs-)Spaziergang entlang des Strandes endet der erste Tag unserer Reise.

Tag 2: Ampuriabrava – Lleida/Lerida – Fuentemilanos (640 km)

Die Wettervorhersage für die gesamte Strecke war bestens. Am Flugplatz Ampuriabrava kann man zwar tanken, aber wir hatten für die erste Teilstrecke noch genügend Sprit an Bord. Die Aufgabe des Flugplans bei der Flugleitung war ein Kinderspiel. Dem Start in Richtung Lleida stand nichts mehr im Wege. Nun galt es, von der Mittelmeerküste Abschied zu nehmen.

 

Abflug von Ampuriabrava

 

Auf dem 90-minütigen Flug entlang der südlichen Ausläufer der Pyrenäen bot sich uns ein kontrastreiches Landschaftsbild.

 

Pyrenäen südlich von Andorra

 

Nach dem Frequenzwechsel von Barcelona CTL auf Lleida TWR kam auf unseren Anruf keine Antwort von dem Regionalflugplatz. Wir versuchten es mehrere Male – jedoch ohne Erfolg. Danach probierten wir es auf der Ground Frequenz, aber auch von dort gab es keine Antwort. Es waren keine fliegerischen Aktivitäten zu sehen, noch nicht einmal ein Flugzeug am Boden. Auf dem Betriebsgelände neben dem Tower waren jedoch mehrere Fahrzeuge zu erkennen, also musste es auch Personal am Platz geben. Wir setzten also Blindsendungen ab und legten die Landerichtung selbst fest. Nach der Landung riefen wir wieder „Ground“ und siehe da, jetzt bekamen wir eine Antwort. Des Rätsels Lösung (ist ausführlich in der AIP unter „local regulations“) beschrieben: Der Mann am Funk hat nur die Berechtigung mit Flugzeugen am Boden zu sprechen und der Mann am Tower war gerade nicht im Dienst.

Dafür war das Towerbauwerk umso eindrucksvoller.

 

Tower Lleida/Lerida

 

Außer uns war keine Menschenseele zu sehen und wir mussten erst einmal das Flugplatzpersonal suchen. Da wir mit Flugplan unterwegs waren, galt es, diesen zu schließen und einen neuen Plan für die Strecke nach Fuentemilanos aufzugeben. Mittlerweile tauchten auch die ersten Menschen auf, die sich um uns kümmerten und uns in die Bedienung des spanischen Systems einwiesen. Der Flieger wurde für 2,56 € pro Liter mit AVGAS betankt und wir waren zufrieden. Da war noch die Rechnung mit den Lande-, Abstell- und Handlinggebühren. Der spanische Mitarbeiter sagte so etwas wie 380 - mir blieb für einen Augenblick die Luft weg – oder sollten wir aus Versehen in Nordafrika gelandet sein? Ein Blick auf die Rechnung sorgte für Entspannung – 3,80 € stand dort geschrieben. Das klang schon deutlich besser. Nun aber zum Flieger und los ging es. Wie schon bei der Landung, war auch dieses Mal der Turm nicht besetzt. Also teilten wir unsere Absichten mit Blindsendungen kund und wechselten nach Verlassen der Kontrollzone auf Zaragoza CTL. Dort wurden wir freundlich angenommen und wir konnten unsere Route nach Plan abfliegen.

Anmerkung: Der Einflug von ULs in Kontrollzonen ist in Spanien mit Flugplan erlaubt

Das Landschaftsbild in der Gegend südlich um Zaragoza war sehr unterschiedlich zu dem, was wir auf der letzten Teilstrecke gesehen haben.

 

Landschaft südlich von Saragossa

 

Danach ging es weiter über die karge Bergwelt nördlich von Madrid. Hier sind in letzter Zeit zahlreiche Windparks entstanden – kein Wunder bei den Windverhältnissen. Wir hatten ständig um die 20 – 30 kts, zeitweise sogar bis zu 40 kts gegen uns, aber das hatten wir gewusst und Zeit und Sprit entsprechend kalkuliert.

 

Windparks östlich von Barahona VOR


Nachdem wir das VOR Somosierra passiert und die Berge hinter uns gelassen hatten, waren es nur noch 20 Minuten bis zu unserem Tagesziel Fuentemilanos (ULs willkommen). Nach der Landung wurden wir freundlich von dem Besitzer des Flugplatzes begrüßt. Er sorgte für die Hangarierung unseres Fliegers und bot uns an, uns zu einem Hotel in Segovia zu fahren. 

Segovia ist eine historische Metropole und Verwaltungssitz der gleichnamigen Provinz. Der historische Stadtkern gehört seit 1985 zum Weltkulturerbe und ist wirklich sehenswert. Zahlreiche  Bauwerke aus verschiedenen Zeiträumen prägen das Stadtbild. Besonders eindrucksvoll ist das römische Aquädukt, das die Stadt bis ca. 1975 mit Wasser versorgte.

 

Römisches Aquädukt in Segovia

 

Auch die Palastfestung Alcazar und die Kathedrale sind neben anderen Kirchen und Profanbauten Belege der Baukunst aus vergangenen Zeiten. Wir genossen nicht nur die kulturellen, sondern auch die kulinarischen Highlights, die Segovia zu bieten hat. Die Stadt ist eine klare Empfehlung.

 

Tag 3:  Fuentemilanos – Viseu – Vilar de Luz / Porto (410 km)

Den Flugplan nach Portugal gaben wir diesmal bei der Flugsicherung in Madrid telefonisch auf (+34-91-3201-970+34-91-3201-970 +34-91-3201-970/ +34-91-3201-970 ).

Anmerkung: ULs brauchen für den Einflug nach Portugal keine Einfluggenehmigung bei einem Aufenthalt < 90 Tage.

Unser Kurs führte uns südlich an Salamanca vorbei in Richtung Westen. Nach dem Start, öffnen des Flugplans bei Madrid CTL, danach Frequenzwechsel zu Salamanca APP. Von dort, nach passieren der Grenze, zu Lisboa CTL North. Klappte alles wunderbar, nur unser Flugplan war auf der portugiesischen Seite der Landesgrenze nicht auffindbar. Also nochmals Frequenzwechsel auf eine Sonderfrequenz (127,90) zur erneuten Aufgabe des Flugplans für die portugiesische Datenbank . Bis das alles erledigt war, befanden wir uns schon kurz vor dem Anflug von Viseu.

 

Queranflug Viseu

 

Nach der Landung wurden wir von den Leuten der UL-Flugschule (Viseu Flying Club – Kontakt +351-929-018-876 351-929-018-8351-929-018-876  David) herzlich begrüßt. Hier konnten wir den gerade erst in der Luft aufgegebenen Flugplan schließen und danach eine Pause einlegen.

 

UL Land Africa „Made in Portugal“

 

Nach Besichtigung der am Platz stationierten ULs (einige davon „Made in Portugal“ mit der Bezeichnung „Land Africa“) und einem ausgiebigen Informationsaustausch zur Geschichte der UL Fliegerei in Portugal wurde unser Flieger noch mit preiswertem MOGAS aus der Flugschultankstelle befüllt. Der Chef der Flugschule kümmerte sich vorbildlich um uns und gab uns noch ein paar Tipps für den Weiterflug nach Vilar de Luz.

 

Landschaftsbild südöstlich von Porto

 

Dieser Streckenabschnitt ist landschaftlich sehr schön und auch sehr abwechslungsreich. Nach ca. 40 Minuten war unser Ziel, Vilar de Luz (ULs zugelassen), erreicht. Die letzten Kilometer nach Porto legten wir dann per Taxi zurück. Ein Hotel im Stadtkern war schnell gefunden und die Erkundung von Porto, der drittgrößten Stadt Portugals, konnte beginnen. Porto sieht sich mit seiner langen Geschichte und als Namensgeber des Landesnamens als „heimliche Hauptstadt“ von Portugal.

Als erstes steuerten wir das Flussufer des Douro an. Von dort hat man einen schönen Blick auf die historischen Stahlbrücken, den historischen Stadtteil Ribeira, sowie das Zentrum der Portweinkellereien. Dieser Teil von Porto ist mittlerweile als UNESCO Weltkulturerbe gelistet. Leider sind einige Gebäude in schlechtem Zustand und wurden teilweise von den Bewohnern verlassen.

An der Flaniermeile entlang des Douro laden viele landestypische Lokale zum Besuch ein. Dieses Angebot nahmen wir gerne an und entschieden uns für ein Fischrestaurant. Um es kurz zu machen, es war super! Danach ging die Erkundung der Stadt mit den vielen Sehenswürdigkeiten weiter.

 

Porto Stahlbrücke über den Duero

 

Tag 4:  Porto / Vilar de Luz – Santiago (180 km)

Am frühen Vormittag trat der vom kühlen Kanarenstrom verursachte Küstennebel auf. Kein Problem für uns, da wir ohnehin den Vormittag noch zur weiteren Erkundung der Stadt nutzen wollten und erst am Nachmittag der Weiterflug in Richtung Santiago geplant war.

Porto hat eine über 2000 Jahre alte wechselvolle Geschichte. Griechen, Römer, Goten, Mauren, Spanier und Engländer prägten das Stadtbild. Zahlreiche prachtvolle barocke Bauwerke und Kirchen mit italienischer Prägung zeugen vom einstigen Reichtum der Stadt.

Unsere Tour führte uns auch zur Stahlbrücke „Maria Pia“ die vom Erbauer des Eiffelturms, Gustave Eiffel, konstruiert wurde. Auch die Aussicht auf die „Ponte Dom Louis“ ist grandios.

 

Porto Ponte Dom Louis

 

Nach der Besichtigung des Bahnhofs Sao Bento, dessen Vorhalle mit außergewöhnlichen Azulejo Bildern ausgestattet ist, sahen wir uns zum Abschluss unseres Rundgangs noch die Prachtstraße, Avenida dos Aliados, an.

 

Porto Avenida dos Aliados

 

Nach dem touristischen Abschnitt galt es nun, den fliegerischen Teil der Reise fortzusetzen. 

Von Vilar de Luz flogen wir über den Meldepunkt FAMAL zur Atlantikküste, dann weiter entlang der Küste in Richtung Norden. Die Grenze zu Spanien überquerten wir bei La Guardia und von dort flogen wir weiter zum Meldepunkt „W“ von Vigo.

 

Atlantikküste westlich von Vigo

 

Von hier war es nicht mehr weit bis „S“ Santiago. Kontakt mit Tower aufnehmen, Landeabsichten kund tun, Freigabe zum Einflug in die Kontrollzone erbitten und alles machen, was der Lotse am Tower dem Piloten sagt. Wenige Minuten später waren wir im Endanflug auf die 3200 Meter lange Bahn.

 

Endanflug Santiago LEST

 

Nach der Landung parkten wir auf dem riesigen Vorfeld und suchten vergeblich nach dem gelben „C“ Schild. Bodenpersonal war auch keines zu sehen. Die einzige Möglichkeit war die „Einreise“ durch einen der Hintereingänge. Im Terminal war gähnende Leere. Kein Mensch nahm Notiz von uns.  Andreas und Armin allein in Santiago?  Irgendwie fanden wir doch einen Weg aus dem Terminal und fuhren mit dem Bus in die Stadt.

Im Zentrum, in unmittelbarer Nähe der Bushaltestelle, befindet sich das modern gestaltete Hotel „Santiago Lux“ (sehr empfehlenswert).  Freie Zimmer gab es auch noch für uns. Glück muss der Mensch haben!  Auf dem Weg zur Kathedrale begegneten wir vielen Pilgern, die den „Camino de Santiago“ zu Fuß auf sich genommen hatten. Um als echter Pilger anerkannt zu werden, muss man mindestens die letzten 100 km des Jakobswegs zu Fuß oder mit dem Pferd zurückgelegt haben. Es gibt auch noch eine 200 km Alternative für Radfahrer. Für Piloten von Leichtflugzeugen konnten wir kein Regelwerk ausfindig machen. Auch die 100 ROTAX Pferde konnten uns hier nicht weiterhelfen.  Somit waren wir „einfache Besucher ohne Pilgerausweis“.

 

Kathedrale Santiago de Compostela

 

Tag 5:  Santiago – Burgos - Tarbes/Lourdes (710 km)

Für beide Abschnitte der geplanten Stecke waren beste Bedingungen vorausgesagt. Nur der Flughafen von Santiago war bis zur Mittagszeit im Nebel. Nachdem wir die umfangreichen administrativen Hürden überwunden hatten und man uns aus dem Tanklaster für einen Rekordpreis AVGAS verkauft hatte, war das Wetter für unseren Weiterflug perfekt.

 

Terminal und Tower Santiago

 

Die Ruhe des Flugplatzes wurde durch den Start unseres Motors jäh unterbrochen. Roll- und Starterlaubnis wurden prompt erteilt und wenig später waren wir auf dem Weg in Richtung Osten. Unser Flug führte uns über die Berge von Kastilien, wir passierten die militärische Kontrollzone von Leon und landeten sicher in Burgos, der Hauptstadt der „Autonomen Gemeinschaft Kastilien-Leon“.

Der Flugplatz von Burgos hat eine neue Bahn mit 2100 m. Die alte Bahn ist jetzt ein Rollweg zur Tankstelle und zum historischen Terminal.

 

Historisches Terminal Burgos LEBG


Von der Tankstelle (AVGAS ca. 2,90 €) ging es dann über 1,5 km Rollweg zum neuen Terminal, wo sich der freundliche Flugplatzchef persönlich um uns kümmerte. Nach Zahlung von 3,80 € Lande- und Handlingentgelten war der kommerzielle Teil erledigt. Aus einem Automaten kauften wir noch ein paar Snacks und kühle Getränke. So mussten wir keinen Hunger und Durst leiden.

Da mittlerweile ein kleiner Regionalflieger gelandet war, trat die Guardia Civil auf den Plan. Auch wir blieben hiervon nicht ganz verschont, konnten aber dank der passenden Lizenzen belegen, dass wir völlig unverdächtige Piloten eines selbst mitgebrachten Leichtflugzeuges sind.

Da wir keine Zeit zur Besichtigung der mittelalterlichen Altstadt hatten, ging es nun in Richtung Frankreich weiter. Den Flugplan hatten wir rechtzeitig aufgegeben, und wir konnten den Kurs VOR-Domingo, Rioja, Pamplona, Oloron, Tarbes wie geplant abfliegen.

Die Passage über die teilweise noch mit Schnee bedeckten Pyrenäen war ein optisches Highlight.

 

Pyrenäen nordöstlich von Pamplona


Direkt nach dem Überflug der spanisch-französischen Grenze holten wir uns die Genehmigung für den Durchflug der militärischen Lufträume und im Anschluss die Einflug- und Landegenehmigung vom Tower in Tarbes. Offiziell heißt der Platz mittlerweile „Aéroport International Tarbes-Lourdes-Pyrénées“ und hat mit 3000 m eine riesige Bahn. Diese wird nicht nur wegen der Pilgerflüge, sondern auch wegen der Werft für Airliner gebraucht. Selbst Großraumflugzeuge, wie z.B. A380 werden hier gewartet bzw. überholt. Außerdem scheint der Platz als Parkplatz für im Moment nicht benötigte Airliner aller möglichen Fluggesellschaften genutzt zu werden.

Anmerkung zu ULs: Dreiachser mit Radio, Transponder und gutem Grund werden wohl „geduldet“. Am besten vorher anrufen und abklären.

 

Flugplatz Tarbes „Warten auf bessere Zeiten“

 

Lourdes erreicht man mit dem Bus oder dem Taxi. Auch ein Hotel ist in der Vorsaison schnell gefunden. Die Stadt ist weltweit einer der meistbesuchten Wallfahrtsorte und hat nach Paris die zweit höchste Hotelübernachtungszahl in Frankreich. Der Kontrast zwischen dem ruhigen „Heiligen Bezirk“ und dem lebhaften „weltlichen Bereich“ mit seinen unzähligen Andenkenläden ist bemerkenswert.

Jeden Abend findet im heiligen Bezirk eine Prozession mit Wallfahrern aus aller Herren Länder statt. Sehenswert sind die Kirchen aus verschiedenen Perioden. Die modernste von allen, ist die unterirdische Basilika Saint-Pie X, sie fasst bis zu 25.000 Besucher.

Außerdem ist Lourdes auch ein wichtiger Basispunkt für Tourismus in den Pyrenäen.  Sehr zu empfehlen ist ein Besuch des „Cirque de Gavarnie“ mit den höchsten Wasserfällen Europas.

 

 

Abendstimmung in Lourdes 

 

Tag 6:  Tarbes/Lourdes – Vichy – Haguenau – Mainz (1020 km)

Tarbes bietet den Privatpiloten ein modernes GAT Terminal mit Servicepersonal zu den veröffentlichten Zeiten. Hier wird First Class Service für moderate Gebühren geboten.

 

GAT Terminal Tarbes

 

Nach dem Wettercheck kamen wir zu der Erkenntnis, den Rückflug nach Mainz an einem Tag zu bewältigen. Die Vorhersagen für die Folgetage waren zu unsicher. Deshalb mussten wir auch auf den geplanten Abstecher nach Arcachon verzichten und eine kürzere Flugroute wählen.

Die direkte Strecke führte über VOR Tarbes - VOR Agen – Castelsarrasin – Cahors – Figeac – Clermont-Ferrand zum Tankstopp nach Vichy.

 

Im Queranflug von Vichy LFLV

 

Dank unserer TOTAL Card war die Versorgung mit AVGAS in Vichy (ULs zugelassen) ein Kinderspiel und nach kurzem Aufenthalt ging es weiter. Die Strecke Vichy – St. Yan – Beaune – Gray -Luxeuil – Saverne nach Haguenau (ULs zugelassen) bewältigten wir in ca. 2 Stunden.

Nach kurzer Pause, Aufgabe des Flugplans und genauer Betrachtung der Wetterlage bestätigte sich, was sich schon vor dem Abflug in Tarbes angedeutet hatte, das Bilderbuchwetter war beendet. Die Sichten und Wolkenuntergrenzen waren zwar für den letzten Tagesabschnitt VFR tauglich, wir mussten aber auf respektable Gewitterzellen entlang der Strecke Haguenau – W Karlsruhe – Landau – Bad Dürkheim nach Mainz achten.

 

CB auf der Strecke Haguenau - Mainz

 

Nach der Landung in Mainz konnten wir folgende Bilanz für die Reise aufstellen:               

15 geflogene Teilstrecken in 4 Ländern, 4000 km Gesamtflugstrecke, 23:25 Stunden (Blockzeit), 411 Liter Spritverbrauch (=17,5 ltr/h), Spritkosten 923 € (Schnitt 2,25 €/ltr), 99 € Landeentgelte (min: 0 max: 31,50 €), Erlebnis- und Spaßfaktor 100%.

 

Fazit: Mit 100 ROTAX-Pferden im VLA oder UL bis nach Porto an den Atlantik zu fliegen – geht!

 

Zurück in Mainz - Team Andreas Kroemer / Armin Hanus

 

Nachtrag: Die offiziellen AIPs von Frankreich, Spanien und Portugal findet man unter folgenden Internet Adressen:

http://www.sia.aviation-civile.gouv.fr/ (Atlas VAC)

http://www.enaire.es/csee/Satellite/navegacion-aerea/en/Page/1078418725163/ (AD Aerodromes)

http://www.nav.pt/ais/ (Aerodromos)

 

Armin Hanus